Tipps für gelingende Aufbrüche

Sie wollen etwas Neues wagen? Sie wollen ein geistliches Start-up gründen? Sie wollen mit neuen Angeboten neue Milieus für das Evangelium gewinnen? Sie wollen eine Vision von Gemeinde umsetzen und leben?

Es gibt keine Checkliste dafür, wie so etwas gelingen kann. Aufbrüche lassen sich nicht erzwingen. Die bestgeplanten Aufbruchsinitiativen können floppen und aus den hoffnungslosesten Initiativen kann Gutes werden. Und warum? Weil nicht wir es sind, sondern der Herr der Kirche, der die Kirche baut und erhält.

Wir pflügen, und wir streuen

den Samen auf das Land,

doch Wachstum und Gedeihen

steht in des Himmels Hand:

der tut mit leisem Wehen

sich mild und heimlich auf

und träuft, wenn heim wir gehen,

Wuchs und Gedeihen drauf.

Matthias Claudius

 

Dennoch kann es hilfreich sein, folgende Punkte zu bedenken:

1. Lassen Sie sich nicht vom Geld beraten

Kirchengemeinden bekommen Zuschüsse - nicht nur von der Landeskirche, sondern manchmal auch von Stiftungen, Kommunen oder sonstigen Initiativen und Privatpersonen. Die Maßgabe lautet häufig: "Ihr bekommt dann das Geld, wenn Ihr dies oder das tut!" Erliegen sie diesem Anreizsystem nicht! Stellen Sie keine Aktion auf die Beine, nur um an die Gelder zu gelangen. 

2. Lassen Sie sich auch nicht von der Panik beraten

Wenn manche Kirchengemeinden überlegen, "wie sieht unsere Kirchengemeinde in 20 Jahren aus, wenn wir so weitermachen?", kommen Schreckensszenarien heraus. Reden Sie diese nicht schön, aber machen Sie sich auch klar, dass niemand sagen kann, was in 20 Jahren ist. Keiner hätte vor 20 Jahren geglaubt, dass es Lehman Brothers nicht mehr gibt und dass Facebook einer der wertvollsten Konzerne der Welt wird. Aufbrüche sollen nicht aus einer Defiziterkenntnis, sondern aus einer geistlichen Leidenschaft heraus entstehen. 

3. Betrachen Sie Aufbrüche als geistlichen Prozess

Überlegen Sie sich nicht alleine, sondern in einem Gremium: "Was hat Gott mit uns vor? Wozu will er uns gebrauchen?" Beten Sie über diese Fragen und bedenken Sie: Beten ist nicht nur Reden mit Gott, sondern auch Hören auf ihn. 

4. Beenden Sie zuerst Altes, bevor Sie Neues starten

Viele Mitarbeiter in Gemeinden, haupt- wie ehrenamtliche, sind ausgelastet. Häufig werden neue Projekte durchgetrieben und Altes nicht abgelegt. Beginnen Sie erst dann einen neuen Aufbruch, wenn Sie mindestens ein bestehendes Projekt/eine bestehende Veranstaltung/einen bestehenden Kreis beenden. Gelingt Ihnen dies nicht, ist das ein Zeichen, nichts Neues anzufangen, sondern das Alte zu kultivieren. 

5. Formulieren Sie ein Ziel

Die wichtigste Aufgabe von Kirche ist, dass Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen, bzw. in ihr den Glauben an ihn leben. Überlegen Sie sich vor diesem Hintergrund, wie Ihr Aufbruch dieser Aufgabe konkret dienen kann. Reden Sie sich einen Aufbruch, der ein völlig anderes Ziel verfolgt, nicht mit Sätzen schön, wie "letztendlich geschieht doch alles im Kontext des Evangeliums" oder "indem wir es als Kirche betreiben, ist der Glaube immer irgendwie im Spiel". Sport, Kultur und Gemeinschaft können auf eine sehr gute Weise helfen, den Glauben im jeweiligen Kontext zu vermitteln, sie sind in einem Aufbruch aber nie Selbstzweck. 

6. Nutzen Sie vorhandene Gaben

Bleiben Sie realistisch: Eine Kirchengemeinde, in der vorwiegend ältere Menschen beheimatet sind und sich ehrenamtlich einbringen, wird sich schwertun, ein christliches Fitnessstudio als Aufbruch erfolgreich zu betreiben. Schauen Sie, welche Menschen mit welchen Gaben und Netzwerken sich für einen Aufbruch begeistern lassen und nutzen Sie diese. Kann ein ehrenamtlicher Mitarbeiter sein Hobby, seinen Beruf und sein vorhandenes Netzwerk zum Wohle eines Aufbruchs einbringen, ist dies von Vorteil.

7. Bewerten Sie Geld nicht über

Es mag sich auf den ersten Blick realitätsfern lesen, aber das Gelingen eines Aufbruchs hängt in den meisten Fällen nicht vom Geld ab, sondern ob eine Idee gut ist, ob sich Menschen zur Mitarbeit an dieser Idee gewinnen lassen, ob die Chemie zwischen diesen Menschen stimmt und ob diese Menschen ihre Zielgruppe für ihre Idee begeistern können - und vor allem: ob Gott dieses Vorhaben segnet. Die Begründung für einen nicht gestarteten oder missratenen Aufbruch "es war zu wenig oder kein Geld da" ist in den meisten Fällen eine Ausrede.

8. Lassen Sie Geld Ihrer Leidenschaft folgen

Ist erst einmal ein Aufbruch mit Mitarbeitern im Gange, die über ihr Vorhaben schlüssig und leidenschaftlich Auskunft geben können, werden sich auch Geldgeber für dieses Vorhaben gewinnen lassen. Beauftragen Sie ein Fundraisingteam, das kontinuierlich seiner Arbeit nachgeht, damit die anderen Mitarbeiter den Kopf für den Aufbruch frei haben. 

9. Seien Sie großzügig

Lassen Sie bei Ihrem Aufbruch Großzügigkeit in vielen Facetten walten. Seien Sie großzügig mit sich selbst, was das Scheitern von Aufbrüchen angeht: Forschungsabteilungen starten oft 10 Versuche in der Hoffnung, dass einer davon sich gut entwickelt. Seien Sie auch großzügig gegenüber anderen, wenn nicht Ihr Aufbruch, sondern ein anderer sich gut entwickelt oder andere Menschen Ihrem Aufbruch misstrauisch gegenüberstehen. Seien Sie auch dann großzügig in der rückblickenden Bewertung Ihres Aufbruchs, wenn seine Zeit um ist und er beherzt eingestellt wird. 

10. Lassen Sie sich beraten - aber nicht zu schnell

Beratung boomt, besonders im kirchlichen Bereich. Doch bevor Sie einen externen Berater für Ihren Aufbruch hinzuziehen, machen Sie es sich und Ihrem Team nicht zu einfach. Wichtige Entscheidungen kann Ihnen kein Berater abnehmen, sondern müssen im Team vor Ort getroffen werden. Außerdem kennt keiner so gut die Gegebenheiten und Herausforderungen der örtlichen Situation wie Sie und Ihr Team. Haben Sie ein paar erste Fäden geschlagen, dann können Sie gerne Kontakt aufnehmen.